A. Ab
11. June 2026
Ich habe die Praxis aufgrund akuter, über mehrere Tage anhaltender Rückenschmerzen aufgesucht. Mein Hausarzt hatte mir hierfür eine Überweisung mit dem Vermerk „akut“ ausgestellt, mit anschließender Weiterbehandlung. Ich telefonierte in mehreren Orten herum und keiner konnte mir einen Termin geben, der früher als eine Woche in der Zukunft lag. Eine Arztpraxishelferin teilte mir dann auf mein Klagen hin mit ich müsse einfach zu einer Praxis fahren und mich nicht abwimmeln lassen, damit ich dran käme. Nach mehreren Stunden der Suche wurde ich in dieser Praxis vorstellig. Positiv war, dass ich trotz der schwierigen Versorgungslage noch am selben Tag einen Termin erhielt und in 5 Stunden wieder kommen solle, da wir uns diesmal nicht abwimmeln ließen. Leider fühlte ich mich während des Termins jedoch nicht ausreichend gehört. Ich hatte den Eindruck, meine Beschwerden und deren Auswirkungen nicht vollständig schildern zu können. Besonders belastend war für mich die wiederholte Betonung, dass ich kein Notfall sei, obwohl meine Schmerzen meinen Alltag und Schlaf erheblich beeinträchtigten und ich weder in der liegenden noch sitzenden Position schmerzfrei verweilen konnte. Vor dem Termin musste ich einen Fragebogen ausfüllen. Aufgrund der Einnahme eines "starken verschreibungspflichtigen Schmerzmittel", dass oftmals nach Operationen verabreicht wird und meiner persönlichen Einschätzung gab ich mein aktuelles Schmerzempfinden mit 6 von 10 Punkten an, ergänzend dazu dass die morgigen Schmerzen bei 9 von 10 lagen. Rückblickend war dies möglicherweise missverständlich, da ich generell eine hohe Schmerztoleranz habe. In der Sprechstunde hatte ich das Gefühl, meine Situation nicht vollständig schildern zu können. Ich konnte zwar kurz erklären, wie die Beschwerden entstanden waren, hatte jedoch kaum Gelegenheit, die Intensität der Schmerzen, die schlaflosen Nächte sowie meine bisherigen Bemühungen zur Schmerzlinderung ausführlicher darzustellen. Das Gespräch ging für mein Empfinden sehr schnell in die Behandlung über. Auch die Kommunikation empfand ich insgesamt als wenig empathisch. Als unangenehm empfand ich nicht nur, dass auf meine Angabe „6 von 10“ Bezug genommen wurde und ich somit kein Nofall seie, sondern auch dass das von mir eingenommene Schmerzmittel aus Sicht der Ärztin kein starkes Medikament seie. Denn dadurch kam es mir so vor als würde mein Zustand nicht erst genommen werden. Daraufhin erklärte ich, dass ich des Öfteren vor Schmerzen weinen műsse. Ich sollte nun zu meinem eigenen Orthopäden gehen und mich dort röntgen lassen. Als belastend empfand ich, dass das Verhalten meines Mannes thematisiert wurde, der sich zuvor während unserer stundenlangen Suche nach Hilfe mehrfach für mich eingesetzt und auf meine Schmerzen hingewiesen hatte. Ich erklärte, dass ich eine eigenständige Person bin und nicht für die Wortwahl meines Mannes verantwortlich gemacht werden sollte. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass dieses Thema einen größeren Raum einnahm als meine eigentlichen Beschwerden. Ich wies darauf hin, dass ich keinen Orthopäden hätte und deshalb schließlich hier seie. Am Empfang wiederholte die Ärztin nochmal (vor allen Beteiligten), dass ich kein Notfall seie und ergänzte, dass die Ärzte heute streiken würden, damit Patienten wie ich fühlen, wie es seie, dass die Praxen so überfüllt sind und betonte, wie dankbar ich hier zu allen sein sollte. Letztlich wurde ich ohne weiterführende Diagnostik nach Hause geschickt und sollte mich erneut um eine Überweisung mit Weiterbehandlung für die Orthopädie bemühen. Nach einem langen Tag voller Schmerzen und mehrstündiger Suche nach Hilfe fühlte ich mich dadurch enttäuscht, nicht ausreichend ernst genommen und menschlich wenig wertgeschätzt.